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Jagdhornbläser Schweiz

Die Geschichte


Die Jäger und ihre Jagdhörner

Rund 60.000 Jäger blasen in Europa das Jagdhorn, ein ventilloses Blechblasinstrument, mit welchem, bedingt durch seine Bauform, nur eine begrenzte Zahl von Tönen aus der Naturtonreihe hervorgebracht werden kann. In einer Zeit mit höchster technischer Entwicklung wächst in unseren Tagen die Zahl der Jagdhornbläser, die dieses naturhaft einfache Instrument benutzen. In der Bundesrepublik, aber auch in den Nachbarländern treffen sich jährlich Hunderte von Bläsergruppen zu den von den Jägerorganisationen ausgerichteten Bläserwettbewerben. Aber auch in ihrem Heimatbereich blasen die Jäger ihr Horn auf der Jagd, für sich, für ihre Freunde und für die Öffentlichkeit. Das Jagdhornblasen ist lebendig, genau so wie in unserer Sprache oft unbewusst Redewendungen im Gebrauch sind, die auf das Jagdhornblasen hinweisen: "Es wird zur Jagd geblasen" - "er stößt gewaltig ins Horn" - "die Sache ist abgeblasen".

Man wird wohl die Natur, den Wald, das Feld, die Jagd und das Jägerleben mit dem Ertönen des Horns in Verbindung bringen. Es ist aber auch die besondere Klangfarbe, die dem Ton des Horns zu eigen ist. Schon in grauer Vorzeit hatte man entdeckt, dass der angebohrten konischen Röhre des Stierhorns ein dumpfer, aber durchdringender Ton zu entlocken ist. Er war geeignet, als Signalton unter den im Gelände verteilten Jägern Informationen zu vermitteln. Diese ursprünglichen Jagdhörner waren in ihrer Länge begrenzt und hatten fast keine Möglichkeit, mehr als ein oder zwei Töne von verschiedener Tonhöhe hervorzubringen. Die Jagdsignale der Vorzeit bis hinein ins hohe Mittelalter bestanden aus gleich hohen Tönen, aber verschiedener Tondauer ähnlich den Morsezeichen.

Der beschriebene Horntvp wurde als "Hifthorn" oder später als "Rüdenhorn" von den Jägern bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts gebraucht. Vor dem Aufkommen der Metallhörner hatte man versucht, das Tierhorn sehr kostbar zu gestalten. Während das Horn des Stiers weich und faserig war, gab der ausgehöhlte Elefantenzahn die Möglichkeit für eine reiche kunsthandwerkliche Ornamentik. Diese kostbaren "Olifanten" konnten sich aber nur reiche und damit hochgestellte Jäger leisten.

Die Metallhörner haben im 18. Jahrhundert die Tierhörner endgültig verdrängt. Von jetzt an zeigt die Entwicklung der Jagdhörner und ihre äußere Gestaltung ein fortwährendes Abwägen zwischen Handlichkeit und damit Kompaktheit einerseits und andererseits dem Ausbau der musikalischen Möglichkeiten, was gleichzeitig einem Verlängern der Röhre gleichkam. Eine endgültige Lösung wurde nicht gefunden. Das kurze Signalhorn blieb im Fürst-Plesshorn bis in unsere Tage erhalten. Es bietet dem Laien mit einem Umfang von 5 Tönen die Möglichkeit einer einfachen, aber einprägsamen Melodiegestaltung. Im Zusammenklang mit einer Bläsergruppe vermittelt das Plesshorn einen kräftigen, runden Klangeindruck im Bereich der ein- und zweigestrichenen Oktave, was in etwa dem Sopran und Alt eines Chores entspricht.

Es hat sich aber auch ein großes Jagdhorn durchgesetzt, das zwischen 1700 und 1800 bei der aus Frankreich übernommenen prunkvollen Reitjagd als Piqueurhorn oder Parforcehorn sehr beliebt wurde. Der Jäger zu Pferd konnte ein Horn mit größerem Gewicht tragen, es war sogar von Vorteil, wenn das Horn weit gewunden war. Es konnte leichter um die Schulter gehängt werden, und der Reiter hatte beide Hände frei. Mit der größeren Länge des Rohrs (ca. 4,50m) war auch ein größerer Ausschnitt aus der Naturtonreihe zu blasen, der etwa dem sonoren Klang im Tenor oder Bass eines Chores entspricht. Auf dem Parforcehorn sind dynamische Unterschiede sehr gut zu gestalten, so dass der Klangcharakter vom weichen, runden Ton bis hin zum rauhen, "harzigen", klirrenden Schmettern gestuft werden kann.

Im 19. Jahrhundert wurde das große Jagdhorn aus dem Jagdbetrieb in Deutschland verdrängt. Der Bürger erhielt Jagdrecht. Als Jäger "zu Fuß" bevorzugte er aus praktischen Gründen das kurze Signalhorn, ab 1870 das Plesshorn. Vom hornblasenden Jäger werden musikalische Fertigkeiten verlangt, und die Tonerzeugung mit dem Trichter- oder Kesselmundstück bedurfte einiger Übung. Für bläserisch ungeübte Jäger wurde am Ende des Jahrhunderts ein kleines "Hifthorn" gefertigt, bei dem die Tonerzeugung durch einfaches Hineinblasen mit Hilfe einer eingebauten Metallzunge möglich war. Als sogenannte "Bahnwärterhupen" sind diese Röhren auf der Jagd verpönt.

Während in Frankreich das Parforcehorn immer im Vordergrund stand und das kleine Signalhorn nie recht verbreitet wurde, hat sich das große Horn bei den Jägern in Deutschland und den Nachbarländern erst wieder nach 1970 langsam durchgesetzt. Man hat dann wieder erkannt, dass damit die Jagdmusik großartig bereichert werden kann.

Im Zusammenhang mit der Hornausstellung muss nun auf zwei Entwicklungslinien aufmerksam gemacht werden, weil das Jagdhornblasen einerseits den Bereich des Handwerkers und lnstrumentenbauers und andererseits den Bereich des Bläsers und Musikers stark berührt.

Unter den Handwerkern gab es schon immer auch Künstler ihres Fachs, Kunsthandwerker, die mit der Herstellung der Gebrauchsform eines Gegenstandes allein nicht zufrieden waren. Unterstützt von den Liebhabern schöner Arbeiten wurden auch die Jagdhörner zu allen Zeiten über das Notwendige hinaus ausgeschmückt und verziert. So erfreuen wir uns gerne an Beispielen wunderbar geschnitzter Olifanten, genauso aber auch an Hörnern aus Metall, deren Schallbecher mit einem Silberkranz und reicher Ornamentik versehen sind. Gravuren von besonderer Schönheit machen Jagdhörner aus Messing, Goldmessing oder anderen kostbaren Legierungen zu Sammler- und Liebhaberobjekten.

Unter den Bläsern und Musikern gab es schon immer Tüftler und handwerklich begabte Künstler, denen der Tonumfang des Horns zu gering war. Obwohl es als "Natur-Konzerthorn" schon von der frühen Barockzeit an in der Kunstmusik eingesetzt wurde, wollte man dem Horn eine umfangreichere musikalische Verwendungsmöglichkeit geben. Unterstützt von den Komponisten der Klassik und Romantik, die das Jagdhorn gerne in die bereits blühende Orchestermusik einfügen wollten, wurden die Modelle entwickelt, mit denen außer den Tönen der Naturtonreihe auch andere Töne erzeugt werden konnten. Das Ziel war, das Horn in Musikstücken jeweils auch in verschiedenen Tonarten mitblasen zu lassen. War es am Anfang noch ein aufgesteckter Bogen, der das Horn verlängerte (Inventionshorn) und damit die Naturtonreihe als Ganzes tiefer versetzte, so war der entscheidende Schritt mit dem Einbau von Ventilen getan. Jetzt konnten (etwa um 1820) die Hörner alle Zwischentöne zusätzlich zu den Naturtönen blasen. Der gesamte chromatische Tonbereich stand zur Verfügung. Die Ergänzung des Jagdhorns durch Inventionsbogen und Ventile war eine Bereicherung und Verfeinerung des Instruments, bedeutete aber gleichzeitig eine Trennung zwischen Jagdhorn und Konzerthorn, das fortan auch als Konzert-Waldhorn bezeichnet wurde. Die vielfältigen Formen und zum Teil kostbaren Ausführungen aus der Zeit der Weiterentwicklung sind wohl die interessantesten Objekte bei einer Hornausstellung. Es ist zu fragen, ob sich die beiden aufgezeigten Entwicklungslinien für den Bau von Jagdhörnern auch in der Zukunft bemerkbar machen. Die heutigen Jäger blasen in Deutschland und in den deutschsprachigen Nachbarländern das Plesshorn in B und das Parforcehorn in B und Parforcehorn in Es (auch umschaltbar in B / Es).

Die kunsthandwerkliche Verfeinerung der Instrumente ist schon wieder in Gang gekommen, weil eine große Zahl von Bläsern auch Liebhaber von besonders gearbeiteten Instrumenten in sich birgt. Es gibt Hörner in besonders dünnem Blech, Goldmessing, mit gestoßenen Rohransätzen statt übereinandergestülpten Verbindungen. Es gibt Hörner mit Stimmzug und besonderen Mundstücken, die Stürzen sind mit Neusilber beschlagen und können graviert werden.

Mit der zahlenmäßigen Verbreitung der Jagdhörner unter den Jägern einher geht auch das Bedürfnis, die Jagdmusik, vor allem beim Gruppenblasen zu verfeinern. Schon jetzt ist zu beobachten, dass sich die Jagdmusik vom Signalblasen zur konzertanten und sogar zur virtuosen Jagdmusik weiterentwickeln kann. Allzugern sind dabei gute Bläser geneigt, die oft von Natur aus unreinen Töne des Jagdhorns mit technischen Einrichtungen am Instrument zu verbessern, die im Grunde alle in dem Ziel münden, das Plesshorn oder das Parforcehorn mit Ventilen zu versehen.

Dies würde eine Wiederholung der um 1800 bereits geschehenen Weiterentwicklung der Instrumente bedeuten und zwangsläufig zu einer Trennung zwischen der Jagdmusik der Jäger und der sich mit den Ventilinstrumenten entwickelnden "grünen Blasmusik" von Musiziergruppen führen. Die musikalische Möglichkeit des Jägers und Jagdhornbläsers muss auf die Naturtonreihe begrenzt bleiben, weil nur mit den Naturinstrumenten der besondere Klangcharakter der Jagdmusik erhalten bleibt. Der Schatz an Jagdmusik mit einfachen Tonfolgen ist reich. Die Suche nach Notenvorlagen bringt eine Wiederbelebung der historischen Jagdmusik und regt kompositorische Neuschöpfungen an. Wenn die Jäger aus Liebe zum Jagdhorn auf den Bau besonders schöner und klanglich guter Instrumente achten und darauf die Jagdsignale und auch die konzertante Jagdmusik für sich und ihre Zuhörer erklingen lassen, vollbringen sie auch weiterhin eine Kulturleistung im Rahmen einer eigenständigen, volkstümlichen Musikpflege.